Die Zeit danach

  1. Ins normale Leben zurückkehren
  2. Viele Meilensteine liegen hinter uns
  3. Der Blick nach vorne
  4. Die Seele in Sicherheit wahren
  5. Schritt für Schritt
  6. Fatigue
  7. Das Umfeld
  8. Was tun bei Ungeduld?
  9. Krise als Chance
  10. Pläne schmieden

Ins normale Leben zurückkehren

Wenn wir eine schwere Krankheit bekämpft haben, brauchte es einen enormen Kraft- und Ressourcenaufwand, den wir vermutlich so in unserem Leben noch nie aufzubringen mussten.

Das zehrt an den Nerven und kostet Kraft. Genau wie es Zeit brauchte, sich an die Ausnahmesituation zu gewöhnen, die viele Monate in Anspruch nehmen kann, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass wir anschließend ebenso angemessen Zeit benötigen, wieder in ein anders geregeltes Leben zurück zu kehren.

Wir hatten anfangs für unsere Erkrankung kein Handlungsmuster parat. Es musste neu erarbeitet werden. Manchmal täglich frisch. In dieser Zeit haben wir gelernt, dass unsere Perspektive manchmal nur von einem Tag zum nächsten reicht. An Tagen der Chemo-Therapie war es vielleicht sogar so, dass wir uns Minute um Minute auf unserem Genesungsweg voran gekämpft haben. Diese Vorgehensweise war hilfreich und kann uns jetzt weiter bringen, wenn wir auch bei der Genesung nur kleine Schritte tun können.

Viele Meilensteine liegen hinter uns

Wir waren zwar krank und vielleicht fühlten wir uns während der Behandlung und einige Zeit danach schwach, aber eigentlich haben wir Unglaubliches geleistet und waren, während wir am tiefsten auf unserem Kräfteniveau angelangten, vermutlich wesentlich stärker als wir es je für möglich gehalten haben.

Oft haben wir selbst nicht wirklich ein Gefühl dafür, was für eine großartige Leistung es ist, eine lebensbedrohliche Krankheit zu überwinden, bzw. sie für die nächste Zeit einzugrenzen, war. Aber der Weg, der nun hinter uns liegt, besteht aus unzähligen großartigen Etappensiegen und Meilensteinen. Dennoch kann es sein, dass uns die Vorstellung fehlt, wie sehr unsere Reserven aufgebraucht sind. Das bekommen wir unter Umständen nun zu spüren und auch das auszuhalten, ist nicht immer leicht und erfordert schon wieder Zeit und Geduld von uns.

Der Blick nach vorne

Nach einer gelungenen HeldInnenreise steht die Erleichterung oft und zu Recht im Vordergrund. Der Blick richtet sich nach vorne und wir möchten die dramatische Zeit, die hinter uns liegt, so schnell wie möglich vergessen. Wir konnten durch die Behandlung unseren fragilen Zustand nicht so einfach verdrängen. Nun versuchen wir durch den steten Blick nach vorne irgendwie damit klar zu kommen, dass ein Rückfall auftauchen könnte.

Die Seele in Sicherheit wahren

Sollte es nicht immer gelingen, die Angst vor einem Rückfall unter Kontrolle zu halten, können die Tipps, die wir im Blogpost „Entspannungstechniken“ vorgestellt haben, helfen.

Trauen Sie sich und suchen Sie aktiv nach Möglichkeiten, wie Sie in unsicheren Momenten Ihre Seele in Sicherheit wahren können.

Auch wenn das Schlimmste nun geschafft ist, brauchen Körper, Geist und Seele Zeit und Raum, um die damit verbunden Ängste und Nebenwirkungen zu verkraften.

Schritt für Schritt

Am Liebsten würden wir nun, nachdem wir so lange Zeit, weniger als gewohnt, am normalen Leben teilgenommen haben. Um wieder voll in den Alltag einzutauchen, dafür kann auch jetzt noch die gelernte Schritt für Schritt-Technik aus der Behandlungszeit, ein guter Rhythmus sein.

Fatigue

Eine ganz neue Erfahrung, nach all den Anwendungen kann auch die große Erschöpfung, auch Fatigue genannt, sein. Ca. 80 Prozent der Patienten und Patientinnen bekommen diese Begleiterscheinung, die Krebs und Therapien mit sich bringen. Nachdem wir während der Behandlung unseren Körper geschwächt erlebt haben, kann es sein, dass wir uns jetzt mit einer neuen Art der Erschöpfung konfrontiert sehen. Auch hier kann es eine gute Idee sein, sich Unterstützung für den Umgang damit zu holen. Sprechen Sie darüber mit Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem Arzt, bzw. nutzen Sie Angebote Ihrer Krankenkasse.

Das Umfeld

Möglicherweise haben sich viele Menschen aus dem Umfeld schon während Ihrer Erkrankung von Ihnen abgewendet oder sich mit vielen guten aber ungefragten Ratschlägen hervorgetan. Dies ist auch jetzt in der Zeit danach nicht unbedingt besser. Dies scheint eine Begleiterscheinung zu sein, die vor allem die Hilflosigkeit der Nichtbetroffenen ausdrücken kann. Daher versuchen Sie, dieses Verhalten nicht persönlich zu nehmen. Bewahren Sie sich den Gedanken, dass nur Sie und die Fachleute wissen, was in Ihrer Situation gut ist.

Was tun bei Ungeduld?

Nach all der Zeit, in der der Krebs und seine Behandlung uns lahm gelegt hatte, möchten wir natürlich mit voller Kraft loslegen und losleben. Dabei müssen wir uns klar machen, dass unser Körper, vor allem gegen Ende der Behandlung, uns nicht mehr mit voller Kraft zur Verfügung steht.

Vielleicht hatten wir Ängste, die uns Kraft gekostet haben, oft waren Schmerzen im Spiel, durch die Unverträglichkeit ist ein Teil unserer Nahrung nicht bei uns geblieben sind, wir haben unsere Haare verloren, die Haut war nach der Bestrahlung mitgenommen, die Nächte lang und unruhig und Vieles, was wir gar nicht so offensichtlich mitbekommen haben, war in unserem Körper los.

Davon müssen wir uns jetzt erholen und das braucht Zeit. Fehlt uns die Geduld, ist das verständlich aber nicht zuträglich. Vielleicht kann der Gedanke helfen, dass wir gerade etwas durch- und überlebt haben, was so in unserem Leben noch nicht vorgekommen ist: Eine Belastung, wie sie größer kaum sein kann. Statt ungeduldig, dürfen wir stolz auf uns sein.

Krise als Chance

An unserer gesundheitlichen Krise war nicht alles schlecht. Schnell hat sich herauskristallisiert, auf wen wir wirklich in unserem Leben zählen dürfen. Alte Freundschaften haben sich verflüchtigt und neue Bande konnten geknüpft werden. Es hat sich gezeigt, auf wen wir uns verlassen können. Sicherlich auf einige unserer Lieben, aber vor allem auf uns selbst.

Wir können es auch nicht leugnen, dass es uns reifer gemacht hat, so eine gesundheitliche Gefahr überlebt zu haben.

Aber was bedeutet das nun für unser Leben danach? Was aus der Krisenzeit möchten wir beibehalten? Welche Gedanken und Pläne haben wir gemacht? Und was davon können wir umsetzen?

Pläne schmieden

Natürlich geht nicht alles auf einmal. Aber Sie können Pläne schmieden. Ganz besonders jetzt, wo Sie alles hinter sich haben, aber noch ein wenig auf ihre krankheits- und behandlungsbedingte Erschöpfung Rücksicht nehmen müssen.

Pläne schmieden sich leichter, wenn Sie sich ein Blatt Papier nehmen und alles notieren, worauf Sie Lust haben. Das kann ganz durcheinander auf das ganze Blatt verteilt geschrieben werden. Auf einem zweiten Blatt legen Sie nun nach und nach eine Reihenfolge fest. Was ist am Wichtigsten und was kommt danach?

Nun geht es um die Frage: Was davon kann ich leicht und schnell umsetzen und was braucht mehr Aufwand, Zeit und Planung?

Je nachdem, wie viele Ideen Sie aufgeschrieben haben, wählen Sie ein bis drei Projekte davon aus und teilen diese in Schritte ein: kurz-, mittel- und langfristig.

Wenn Sie nun noch einen Zeitstrahl anlegen und darauf festlegen, bis wann Sie was von Ihren Teilschritten erledigt haben möchten, sind Sie auf einem guten Weg, dass Ihnen die Wünsche aus der Krisenzeit im Alltag nicht einfach so wieder wegrutschen.

Seien Sie realistisch aber entschlossen, denn eines wissen Sie nun ganz genau: Das Leben ist endlich und manchmal auch kürzer als gedacht.