von Eva Terhorst
Es gibt erstaunlich viele Möglichkeiten, ein Tagebuch zu führen. Manche Menschen benutzen sogar gleichzeitig mehrere zu verschiedenen Themen. Einige davon habe ich für Sie ausprobiert und notiert.
- Warum ist es gut, ein Tagebuch zu führen?
- Welche Arten von Tagebüchern gibt es?
- Was kann uns davon abhalten, ein Tagebuch zu führen?
- Wie beginnen?
Warum ist es gut, ein Tagebuch zu führen?
Alleine wenn Sie sich hinsetzen, um Ihren Tag revue passieren zu lassen, bedeutet, dass Sie sich Zeit für sich selbst einräumen. Das signalisiert an Ihr Unterbewusstsein, dass Sie sich selbst wichtig sind. Eine gute Grundlage, für ein reflektiertes Leben.
Aber auch seelische Bewegungen wie Freude und Belastungen können hier zum Ausdruck kommen. Dies bietet Ihnen die Möglichkeit, unkompliziert und ohne weiteren Aufwand, Ihre Seele ein Stück weit zu entlasten.
Entwickeln Sie beim Tagebuchschreiben eine tägliche Routine, kommt Ihrer Seele das dauerhaft zu Gute.
In Krisenzeiten oder während einer schwerwiegenden Erkrankung kann es ganz besonders hilfreich sein, wenn wir unsere Seele entlasten können, indem wir schreiben. Denn Vieles können oder wollen wir nicht mit anderen teilen. Vielleicht fühlen wir uns nicht verstanden, oder wir möchten niemanden anderen mit unseren Sorgen belasten.
Haben Sie bisher kein Tagebuch geführt, kann es während einer Krankheit sich so anfühlen, als sei es nun sogar besonders schwer, damit zu beginnen. Das ist verständlich und daher haben Dr. Hanno Koppe und Eva Terhorst ein Strahlentagebuch entwickelt, das ganz speziell auf Ihre Bedürfnisse während einer Strahlentherapie abgestimmt ist. Einfache Vorgaben helfen Ihnen, einen schnellen Zugang zu dieser Methode zu bekommen. Mehr Informationen und den kostenfreien Download des Strahlentagebuchs finden Sie hier: Klick!

Natürlich ersetzt ein Tagebuch keinen Therapeuten. Aber dadurch, dass Sie eines schreiben, können Sie möglicherweise merken, was Ihnen fehlt oder Schwierigkeiten verursacht und sich so gezielter auf die Suche nach Unterstützung machen.
Welche Arten von Tagebüchern gibt es?
Almanach
Vielleicht erinnern Sie sich noch daran, dass Ihre Großmutter einen Almanach geführt hat. Dort wurden dann Auskünfte über die Tagestemperatur, Familienereignisse, Einkäufe, Investitionen, Reparaturen, Ernteergebnisse, und Vieles mehr, niedergeschrieben.
Rezeptbücher
Es gab auch ein Buch für die Rezepte, wahrscheinlich sogar mit Geheimzutaten, das ehrfurchtsvoll von Generation zu Generation weiter gegeben wurde. Auch dieses enthielten Aussagen darüber, wie gelebt wurde und was wichtig war.
Briefe und Tagebücher
Alte Briefe und Tagebücher, auf Dachböden beim Entrümpeln gefunden, haben 100 Jahre später einen unschätzbaren Wert, wenn wir versuchen, Handschriften zu entschlüsseln, um lesen zu können, was unsere Eltern und Großeltern einst bewegt hat.
Oder wenn wir nach Astrid Lindgren gehen, können wir froh sein, dass die Mutter von Michel aus Lönneberga abends vor dem Zu Bett gehen, immer seine Streiche des Tages augeschrieben hat.
Heute gibt es neben dem landläufigen Tagebuch, so wie wir es uns vorstellen, viele Untervarianten. Denn wie oben bereits erwähnt, kann es verschiedene Anlässe für uns geben und die möchten wir wegen der Übersichtlichkeit vielleicht nicht in einem Tagebuch mischen. Obwohl das auch sehr schön und lebendig sein kann.
Gedichte
So haben Manche ein Büchlein in denen Sie Gedichte notieren oder in die sie Haikus (eine besondere Gedichtform aus Japan) schreiben, oder sie mit Elfchen füllen, um die tägliche Stimmung einzufangen.
Emotionale Tagebücher
Es gibt auch einen Mix bei dem auf der einen Seite geschrieben und auf der anderen Seite gemalt werden kann. Denn auch geübte SchreiberInnen können nicht immer alles in Worte fassen und bedienen sich dafür der Kunst der intuitiven Malerei. Diese Methode erfordert kein künstlerisches Talent, zaubert aber einen Teil der Gefühlswelt auf das Papier.
Notizbücher
Hier finden wir häufig Stichworte, vielleicht sogar hastig hinein gekritzelt, damit wir uns später an die Ideen erinnern können, die dahinter stecken. Hier kann es aber auch zu kleinen Konzepten oder Planungen von Projekten kommen. Oftmals nur so dahin geworfen, freuen wir uns später darüber, wenn sie uns einmal wieder in die Hände fallen. Manche der Ideen waren damals noch nicht reif aber möglicherweise sind sie es genau jetzt.
Das 6-Minuten Tagebuch
Vor einigen Jahren hat sich Dominik Spenst dem Thema Tagebuch angenommen, denn einfach so ins Blaue schreiben, kann auch gut tun aber sich gezielt jeden Tag morgens und abends zu fragen, was gut war und wofür man dankbar sein möchte, hat eine besonders positive Wirkung auf die Psyche. Mehr über das 6-Minuten Tagebuch erfahren Sie hier, denn mittlerweile wurde sogar durch eine Studie der positive Effekt belegt. Auch für Kinder gibt es eine Variante. 6 Minuten deshalb, weil man morgens und abends jeweils nur ca. drei Minuten dafür benötigt, die wichtigen Punkte im vorgedruckten Schema aufzuschreiben. Eine schöne Möglichkeit, mit dem Tagebuchschreiben weiter zu machen, wenn Sie das Strahlentagebuch nicht nicht mehr benötigen.
Es gäbe noch einige Arten von Tagebüchern aufzulisten und alle haben sie Eines gemeinsam: Sie dokumentieren einen Teil unseres Lebens und zeigen, was uns bewegt. Wenn wir uns dem Papier anvertrauen können, kann das Prozesse, die wir durchleben, unterstützen. Aber das ist nicht immer so einfach.
Was kann uns davon abhalten, ein Tagebuch zu führen?
Unser Unterbewusstsein
Unser Unterbewusstsein haben wir gerne unter Kontrolle und es ist gut möglich, dass wir mehr oder weniger unterbewusst befürchten, dass wir, wenn wir damit beginnen, unseren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, die Büchse der Pandora öffnen und alles, was wir dort fein säuberlich eingeschlossen hatten, nun an die Oberfläche kommen kann.
Diese Sorge ist meist unbegründet, denn es zeigt sich oft genau das, was gerade ansteht und was zu lösen, hilfreich sein kann. Vielleicht war es damals, als Sie das eine oder andere unter den Teppich gekehrt haben, der damaligen Situation angemessen und dienlich, die Auseinandersetzung damit auf später zu vertagen und jetzt ist es soweit, dies nach zu holen.
Auch wenn es dabei um schmerzhafte Erfahrungen gehen kann, ist es fast immer besser, diese präsent zu haben, statt sie sozusagen „unbeaufsichtigt“ in Ihrer Seele herumwabern zu lassen. Denn zu glauben, dass wir unser Unterbewusstsein kontrollieren können, ist falsch. Wir können es höchstens unterdrücken und auch das klappt nur bedingt.
Sollten Themen zutage kommen, die Sie zu sehr belasten, dann ist es eventuell nun an der Zeit, sich Unterstützung dafür zu suchen. Gerade wenn Ereignisse schon viele Jahre oder sogar Jahrzehnte zurückliegen, ist es gut möglich, dass es damals weder gesellschaftlich noch persönlich ein passendes Bewusstsein dafür gab. Überdenken Sie, ob sich das in Bezug auf Ihre Angelegenheit geändert hat.
Privatspähre
Eine wichtige Frage kann auch sein: „Wer kann mein Tagebuch in die Hände bekommen und wird dann meine Privatsphäre respektiert und gewahrt bleiben?“
Das können wir leider nicht wissen und nicht immer gewährleisten. Früher waren es eher die Tagebücher die herumlagen und „rein zufällig“ unautorisiert gelesen wurden, heute sind es Nachrichten im Handy. Für beide Varianten wurden Verschlussmöglichkeiten entwickelt.
Fühlen Sie sich also deswegen gehemmt, scheuen Sie sich nicht, entsprechende Maßnahmen zu ergreifen.
Wie beginnen?
Ein einfaches Schulheft
Für den Anfang kann ein einfaches Schulheft reichen, denn die Tagebuchindustrie lebt davon, uns die wunderschönsten und aufwändigsten Varianten von Tagebüchern zu präsentieren, die wir dann auch ganz ambitioniert erwerben, aber zu Hause sind sie uns dann zu wertvoll, um einfach nur darin herum zu schreiben.
Deswegen schauen Sie sich zunächst nach etwas Günstigem um, um schon mal diese Hürde niedriger zu machen.
Das leere weiße Blatt
Viele Künstlerinnen und Künstler haben das Problem, sei es beim Schreiben oder Malen, dass ein weißes Blatt tatsächlich die Hemmung auslöst, es dafür zu benutzen, wofür es eigentlich gedacht war.
Sicherlich hat es auch damit zu tun, dass wir durch die Schulzeit geprägt, leere Hefte und weiße Blätter mit Hausaufgaben, Klassenarbeiten und Noten in Verbindung bringen. Hemmungen sind da vorprogrammiert.
Daher können Sie das tun, womit sich auch AutorInnen und MalerInnen behelfen: Schmieren Sie ein kleines Kürzel auf das Blatt und wenn Ihnen das zu verwegen erscheint, machen Sie irgendwo in einer Ecke ganz unauffällig einen kleinen Punkt. Durch diese Art der „Entzauberung“ des weißen, perfekten Blattes, öffnen Sie Tür und Tor für Ihre Worte. Auch ein Knick oder ein kleiner Riss können helfen. Notfalls greifen Sie zu Altpapier, das auf der Rückseite bereits bedruckt ist.
Das alles kann helfen, diese Art von Schreibbarriere zu durchbrechen. Sollten Sie dennoch nicht weiter kommen, denken Sie an Ihre Kindheitstage, als Sie sich mit Geheimtinte beholfen haben. Das ist natürlich ein kleiner Scherz am Rande, der etwas für Auflockerung sorgen soll, was mich zum nächsten Punkt bringt:
Perfektionismus und Erwartungshaltung
Wir glauben oft, dass nur gute Sätze aufs Papier gehören. Wenn wir so denken, steht dieser Glaubenssatz eindeutig zwischen uns und dem Papier. Da heißt es nun, sich locker zu machen.
Wie das geht, möchten Sie wissen? Seien Sie stark und mutig und schreiben Sie buchstäblich Bla, bla, bla, bla oder Ähnliches in Ihr Tagebuch und das so lange, bis andere Worte im Fluss Ihres Blablas ihren Weg auf das Blatt finden. Ich bin sicher, dass dies Wunder wirkt und damit können Sie im Prinzip jeden Tag Ihre Schreibroutine beginnen.
Regeln
Sollten Sie in einen Schreibfluss geraten, achten Sie bitte nicht auf angelernte Regeln wie Satzzeichen, Grammatik oder Ausdruck. Lassen Sie lieber ihren Gefühlen freien Lauf, denn das bringt Sie weitaus besser in Verbindung mit Ihrer Seele als ausgefeilte Sätze.
Ein kleiner Aufwand, der sich lohnt
Das klingt alles jetzt vielleicht nach etwas viel Aufwand. Wenn Sie aber ehrlich sind, ist es ganz leicht und die Möglichkeit, regelmässig ein Tagebuch zu führen, ist mit diesen Hinweisen sehr in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt. Manchmal kann es tatsächlich so einfach sein. Probieren Sie es aus!
Durch meine eigene Betroffenheit und das schöne Miteinander mit Dr. Koppe und allen anderen Beteiligten, ist das Strahlentagebuch samt dieser Homepage entstanden. Wir haben Hilfreiches entwickelt und stellen es hier kostenfrei zur Verfügung. Dabei haben wir die Betroffenen und ihre Angehörigen im Blick und hoffen, einen Beitrag leisten zu können, Ängste abzubauen und eine Unterstützung dabei zu leisten, an Schwierigkeiten und Herausforderungen zu wachsen – möglichst gemeinsam. Zum Strahlentagebuch geht es hier entlang: Klick!
